Persönliche Einblicke in den Auslandsdienst: die Erfahrungsberichte.

Jedes Projekt ist einzigartig und hält besondere Herausforderungen für dich bereit. In den Erfahrungsberichten schildern dir ehemalige Auslandsdiener ihre Erlebnisse und Erfahrungen.

Rieder Paul

Klagenfurt

29.08.10 - 28.08.11

Ich beginne mit der Frage nach Veränderung: Hat mich der Auslandsdienst verändert? Ich glaube, für mich, ist verändern das falsche Wort. Ich verändere mich durchgehend, auch wenn ich nicht in Sambia bin. Ich weiß noch was sich in Sambia alles an mir verändert hat: meine Körpersprache, mein Arbeitsethos, meine Weltsichten, mein Umgang mit Menschen. Trotzdem hat sich vieles davon wieder „zurück“entwickelt, daher: wieder an Österreich angepasst. Wie etwa der Umgang mit Menschen und meine Körpersprache. Das sind Dinge, die muss man von Kultur zu Kultur anpassen/verändern. Deshalb denke ich, dass das Wort „Verändern“ – auch wenn es oft im Kontext längerer Auslandsaufenthalte gebraucht wird – bei mir nicht wirklich passt. Die meisten der „Veränderungen“ die durch meinen Auslandszivildienst geschahen, sind also längst wieder passe. Allerdings habe ich viel gelernt während dieser Zeit und diese Lernprozesse sind diejenigen Aspekte des Auslandsdienstes, die mir noch immer präsent scheinen, und die mir – bis jetzt - geblieben sind. Was ich aber gelernt habe war, dass der Umgang von Menschen untereinander, körpersprachliche Signale, Werte, Normen ganz unterschiedlich sein können, und auch wie leicht sich meine eigenen Werte, Normen… durch ein völlig anderes Umfeld verändern. Ich habe sozusagen gelernt, wie relativ und wie kontextabhängig die eigene Weltsicht, die eigene Kultur, das eigene „ich“ ist.   Während meines Auslandsdienstes habe ich vor allem versucht, einen guten Job zu machen, mich an die gegebenen Situationen, die doch ganz anders waren als daheim, anzupassen, Vorurteilen kritisch zu begegnen und ein wenig zu verstehen, was mit mir, was mit den Menschen um mich herum geschieht. Das Verstehen hat nicht allzu gut geklappt, vieles an meiner Umgebung, meinen Freunden blieb mir rätselhaft. Aber vielleicht war das auch ein falscher Zugang und ich hätte mehr auf Emotionen vertrauen sollen oder so… Als ich aus Sambia zurück nach Österreich kam, habe ich ein halbes Jahr gebraucht, um mich wieder an das Leben in Österreich zu gewöhnen. Ich habe, als ich zurückgekommen bin, vieles das mir vor Sambia logisch erschien, nicht mehr verstanden. Unser Umgang in öffentlichen Verkehrsmitteln beispielsweise-> niemand spricht mit niemandem(zumindest mit keiner fremden Person), die meisten Menschen sehen bewusst aneinander vorbei.... Meine Beobachtungsgabe bezüglich dem Leben in Österreich hat sich um ein Vielfaches sensibilisiert. Vieles das mir früher „normal“ erschien, kam mir nach Sambia nicht mehr „normal“ vor. Ich hatte eine „Normenverschiebung“ durchgemacht. Leider habe ich diese neu gewonnene Beobachtungsfähigkeit im ersten halben Jahr ziemlich vergeudet, denn ich habe nicht bloß analysiert, wie das Leben um mich herum abläuft, sondern Sozialverhalten in Österreich ziemlich negativ bewertet. Die positiven Dinge des österreichischen Sozialverhaltens fielen mir erst später wieder auf. Allerdings habe ich durch den Auslandsdienst mehr über das Leben in Österreich erfahren. In Sambia habe ich gelernt, wie man mit Layoutprogrammen umgeht, wie man die komplizierte Begrüßungsrituale mit den Händen vollzieht und wie schön es ist mehr oder minder fremden Menschen während des Gesprächs die Hände zu halten. Die prägendste Erfahrung die ich machte, und von der ich noch immer zehre, die mich noch immer beschäftigt, ist der Umgang mit Zeit. In Sambia wurde Zeit anders wahrgenommen. So richtig verstanden habe ich das nicht, aber ich weiß, dass sich auch meine eigene Zeitwahrnehmung veränderte. Zeit fühlte sich weniger als Ressource an, sondern mehr als Spielball. Zeit =/= Zeit. Ob ich jemandem helfen konnte? Am meisten mir selbst. Ich habe mich bemüht einen guten Job zu machen, doch waren wir Zivildiener in einer großen Firma eingebunden, wir haben also explizit keiner Person geholfen. Wir waren aber engagierte Mitarbeiter und ich würde sagen, wir haben unsere Jobs recht gut erfüllt (vor allem mein Kollege Samuel!!). Fr. Miha, mein Chef in Sambia, der sich im Laufe der Zeit zu einer Vaterfigur für mich entwickelte, sagte: „When you sent them(die Zivildiener) to Zambia they are just boys. But when they come back they are men.“ Ich weiß nicht mehr genau wer mir das Zitat so gesagt hat – es war ein anderer Zivildiener, glaube ich. Ich will damit nicht sagen, dass man durch den Auslandsdienst erwachsen wird oder so. Ich glaube allerdings, dass wir in Sambia wundervolle Erfahrungen machen konnten und auch die Zeit hatten, uns persönlich weiterzuentwickeln. Zwar vielleicht nicht unbedingt zu „Männern“(also erwachsenen Menschen) aber durchaus zu Menschen, deren Blick ein klein wenig weiter als zuvor ist.

Was macht Rieder jetzt?

nicht bekannt

Einsatzstelle:

Progress by Technology in Ndola

Afrika › Sambia › Ndola

Du lebst in der Missionsstation, hilfst bei der Instandhaltung der Druck-, Fernseh-, Radiotechnik...

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